Basket Case

oder Eine flog über den KatzenkorbDoro mit Korb

Zu sagen, dass ich mich auf das nächste Korbflechten mit Rudi gefreut habe, das wäre noch zu wenig gesagt. Es sind nicht viele Tage vergangen, nachdem ich letztes Jahr aus Yspertal zurück gekehrt war, als ich mir sagte: ach, eigentlich ist es nicht schlimm: noch elf Monate und ich darf wieder flechten. Der Anblick der Weidenbäume an der Donau weckte meine Erinnerungen. Körbe aller möglichen Größe und Gestalt auf den Bauernmärkten reizten meine Phantasie. Hah! Was mache ich diesmal? Die Gedanken sind frei, Träumen werden keine Grenzen gesetzt, und man blendet einiges aus: dass man vom Flechten schmerzende Finger und Blasen bekommt, dass die Fingernägel in wenigen Stunden nicht mehr damenhaft aussehen, dass auch das kleinste Körbchen (geschweige denn ein größeres Projekt) zwei bis drei Tage in Anspruch nimmt und reichlich Geduld fordert und, last but not least, dass es ohne Rudi, seine Ratschläge und seine tatkräftige Hilfe nicht geht.

Was willst du diesmal machen?“ – fragte Rudi und lächelte. Eigentlich wollte ich einen Korb mit Henkel. Dann dachte ich an eine Katzenhöhle … Während ich ihm schnell die Internetbilder im Handy zeigte, lächelte Rudi weiter und und mit der gleichen ruhigen Stimme, mit welcher er die Reihenfolge aller Griffe des Flechtens erklärt, suggerierte er sehr höflich, zwar nicht ganz direkt aber auch unmissverständlich, dass ich das nicht schaffe: zu wenig Zeit, zu kompliziert, nichts für eine Anfängerin, auch wenn diese extrem ambitioniert und fleißig sein sollte. Rudi, an dieser Stelle danke ich dir für die Art, wie du mit uns über unsere Wünsche redest: du konfrontierst uns mit der Realität, ohne uns zu entmutigen. Die Kühnheit bleibt, die Freude an der Verwirklichung des Projektes auch.

Zunächst muss man die sechs richtigen fingerdicken Zweige aussuchen, auf die richtige Länge kürzen und drei davon in der Mitte spalten (dass ich mich dabei in den ersten Minuten verletzt hatte, habe ich verschwiegen und verdrängt), die drei nächsten schiebt man quer durch die Spalte. Dann umwickelt man das so entstandene Kreuz fest mit einer dünnen Weidenrute, um es zu fixieren. Danach flicht man immer weiter dünnere Zweige um die sechs gekreuzten Zweige, und presst zwischen diese immer wieder die Fingerspitzen mit ganzer Kraft, bis während des Flechtens ein gleichmäßiger Stern entsteht. Immer wieder heißt es dabei: fest pressen, genau arbeiten, vorsichtig die dünnen Ästchen biegen, damit sie ja nicht brechen. Immer wieder ins Wasser eintauchen.

Wenn der Boden die erwünschte Größe erreicht hat, heißt es dicke Enden trimmen und die sogenannte „Sonne“ erzeugen: 24 lange Ruten spitzen und fest rundherum hineinstecken. Dann mit unheimlichem Fingerspitzengefühl jede einzelne umknicken. Und jetzt auf jeden Fall Rudi um Hilfe bitten: eine Verbindung zwischen dem Boden und der Wand muss nicht nur schön, aber vor allem stabil sein. Und dann noch die Wände, und dann die Krönung: der Abschluss. Noch mal Rudi rufen, noch mal aufmerksam zuhören, sich helfen lassen… Während ich die Worte schreibe, liegt mein Korb im Wasser eingetaucht, damit die Ruten schön geschmeidig werden, wenn wir morgen… ja, ich schreibe „wir“, weil ich den schönen Rand, auch wenn ich ungefähr weiß, wie es geht, unbedingt unter Rudis Aufsicht machen möchte.

Morgen also ist mein Körbchen fertig. Es wird ein Katzenkörbchen. Die Katzenhöhle mache ich vielleicht nächstes Jahr. Es sei denn, Rudi lächelt und erklärt mit seiner ruhiger Stimme, dass ich vielleicht noch mal überlegen soll, vielleicht etwas, das nicht so aufwändig, schwierig, in drei Tagen für ungeübte Hände unmöglich fertigzustellen ist. Oder aber ich übe zu Hause. Bis zum Yspertaler Sommeratelier 2017 habe ich noch Zeit. Es sind bloß etwas mehr als elf Monate, bis ich wieder flechten darf.

Dorota Krzywicka-Kaindel

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